Georgien – Geschichte und Zahlungsmittel
Dr. H.-W. Thiede, Berlin
Informationsheft • 2008 • Heft 1 des DGW e.V.
Zur Geschichte Georgiens
Georgien liegt am Kaukasus. Es grenzt an Russland, Aserbaidschan, Armenien und die Türkei, im Westen an das Schwarze Meer. Das historische Georgien bestand einst aus Kolchien und Iberien. Im 6. Jahrhundert v. Chr. wurden Münzen geprägt und in Umlauf gesetzt. Es handelte sich um griechische Münzen. Vom 4. bis 2. Jahrh. v. Chr. herrschten Alexander der Große und seine Nachfolger. Sie setzten kolchische Statere in Umlauf. Im 1. Jahrhundert v. Chr. herrschten die Dioskuren von Suchumi. Im Jahre 65 v. Chr. erfolgte die römische Besetzung Transkaukasiens. Im Jahre 63 v. Chr. wurde die Kolchis unter Pompejus zur römischen Provinz. Römische Münzen wurden bis zum 2. Jahrhundert n. Chr. geprägt.
Anfang des 3. Jahrhunderts kam es zu einem stärkeren Einfluss der Sassaniden und zum Umlauf von Sassanidischen Münzen. Im 4. Jahrhundert kam es zur Einführung des Christentums in Kartli und zur Schöpfung des georgischen Alphabets. In der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts erfolgte die Prägung von georgisch-sassanidischen Münzen unter Wachtang Gorgasali. Es kam zu ersten christlichen Klosterbauten. Im 6. Jahrhundert wieder erneut sassanidische Herrschaft. Ende des 7. Jahrhunderts herrschten die Araber in Tiflis. Ab 654 kamen arabische Münzen in Umlauf. Im 10. Jahrhundert war Georgien Teil des östlichen Kalifats. Unter dem König Bagrat III. wurden in Georgien arabische Dirhems geprägt. David der Erbauer (1089 bis 1125) verjagte 1122 die Araber aus Tiflis, welche versucht hatten, ganz Georgien zu erobern. Es war zu dieser Zeit Kupferkreditgeld von muselmanischem Typ im Umlauf. 1259 erster Mongoleneinfall. 1260 bis 1261 zweiter Mongoleneinfall in Georgien. Unter Georg V. (1314 bis 1348) zerfiel Georgien in Kartlien, Kachetien und Imeretien. 1453 erfolgte die Eroberung Konstantinopels durch die Türken. Es erfolgten Münzprägungen von arabisch-türkischem Typ. 1510 Einfall der Türken in Georgien. 1410 bis 1553 iranisch-türkischer Friede. Georgien wird wieder selbstständig. 1568 schließen Iwan IV. (der Schreckliche) und der Kachetische König Lewan Obman einen Bündnisvertrag. 1614 Einfall von Persern unter Sahah Abbas in Kachetien und Prägung von iranischen Münzen. 1720 schließen Peter I. (der Große) und Wachtang VI. einen Beistandsvertrag. Es erfolgte die Prägung von georgischen Münzen. 1723 bis 1735 Türkische Oberherrschaft über Kartli und Kachetien. 1748 bis 1750 erfolgte die Vereinigung Georgiens unter Herakli II. und Salomon I. 1768 bis 1774 russisch-türkischer Krieg. Am 24.7.1773 wurde ein Bündnisvertrag mit Russland geschlossen, welcher die georgische Unabhängigkeit garantierte und die russische Souveränität anerkannte. 1783 kommt Georgien unter russisches Protektorat. Durch einen Vertrag von 1799 wird Georgien unter Russland und der Türkei geteilt. 1801 Verkündung eines Manifestes durch Alexander I. und Vertreter Ostgeorgiens. Es beginnt die russische Kolonialherrschaft. Seit 1829 ist ganz Georgien russisch.
Georgische Münzen wurden von 1804 bis 1833 im Münzhof von Tbilissi geprägt. Das Münzsystem hatte sich unter Einfluss der umlaufenden persischen Münzen ausgebildet. Von 1781 bis 1796 sind in mehreren Jahrgängen Kupfermünzen zu 1 Bistri ausgegeben worden (1781, 1782, 1787, 1796). Als Wappen zeigen diese Münzen den russischen Adler.
Von 1804 bis 1810 erfolgte die Ausgabe von Kupfermünzen zu 5, 10, 20 Puli und bis 1833 Silbermünzen zu 1/2, 1, 2 Abas. Die Vorderseite aller Typen zeigt eine Mauerkrone, darunter in georgischer Schrift „Tiflis“, darunter zwei über Kreuz angeordnete Zweige. Die Rückseite zeigt oben den Wert, in der Mitte „Georgien“, darunter die Jahreszahl. Die Prägungen erfolgten unter Katharina II. (1762 bis 1796), Alexander I. (1801 bis 1825) und Nikolaus I. (1825 bis 1855).
Georgische Münzen
Nach der russischen Revolution bildeten die Georgier, die Armenier und die Aserbaidschaner eine kurzlebige Transkaukasische Föderation (20.9.1917), welche am 26.5.1918 in drei unabhängige Republiken zerbrach. Am 26.5.1918 wurde Georgien eine demokratische Republik. Das Ende des 1. Weltkrieges und der Zusammenbruch der Zarengewalt erlaubten freie Wahlen. Ein deutsch-georgischer Vertrag wurde am 28.5.1918 unterzeichnet, gefolgt von einem georgisch-türkischen Friedensvertrag vom 4.6.1918, welcher die Unabhängigkeit Georgiens garantierte. Am 20.5.1920 schloss Sowjetrussland einen Friedensvertrag, welcher die Unabhängigkeit Georgiens anerkannte. Am 11.2.1921 wurde in Georgien eine Sowjetrepublik proklamiert. Am 12. März 1922 nahm Stalin Georgien als neu gegründete Transkaukasische Sozialistische Sowjetrepublik in die UdSSR auf. Am 5.12.1936 wurde die Transkaukasische Sowjetrepublik aufgelöst und Georgien wurde als direktes Mitglied der UdSSR als Unionsstaat aufgenommen.
Das heutige Georgien hat eine Fläche von ca. 70 000 km² und 4,8 Millionen Einwohner. Das jetzige Georgien ist der Nachfolgestaat der ehemaligen Unionsrepublik der UdSSR (Grusinische SR), auf georgisch Sakartwelo. Neben den Georgiern sind die Hauptbewohner Abchasier, Adscharier, Südosseten, Aserbaidschaner; ferner Russen, Armenier, Mingrelen, Sawanen u. a. Die Bodenschätze sind: Erdöl, Steinkohle, Manganerz.
Der Zusammenbruch der UdSSR erlaubte den völligen Übergang in die Unabhängigkeit und am 9.4.1991 erklärte eine Abstimmung die Republik als einen unabhängigen Staat, gestützt auf den ursprünglichen Unabhängigkeitsvertrag vom Mai 1918. Im November 1991 erklärte sich Georgien für unabhängig und wurde daraufhin von vielen Staaten völkerrechtlich anerkannt. Nach der Deklarierung eines unabhängigen georgischen Staates kam es in der Hauptstadt Tbilissi zu bürgerkriegsähnlichen blutigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Parteien, welche niedergeschlagen wurden. Nach der Unabhängigkeitserklärung Georgiens kam es in den zu Georgien gehörenden Teilstaaten Abchasien und Südossetien zu Aufständen. Diese Staaten forderten eine Loslösung von Georgien und einen Anschluss an Russland. Es kam zu erbitterten Kämpfen zwischen diesen Staaten und Georgien, welche erst durch militärisches Eingreifen Russlands und durch eine Friedenstruppe der UN beendet werden konnten. Die in diesen Gebieten wohnenden Georgier mussten das Land verlassen und wurden als Flüchtlinge im Mutterland Georgien untergebracht.
Zahlungsmittel Georgiens
Bis zum Ende des ersten Weltkrieges galt die russische Währung, der Rubel. Danach kam es zu folgenden Geldscheinausgaben:
Transkaukasisches Kommissariat 1918
1 Rbl., 3 Rbl., 5 Rbl., 10 Rbl., 50 Rbl., 100 Rbl. und 250 Rbl.
Georgische autonome Republik 1919
50 Kop., 1 Rbl., 3 Rbl., 5 Rbl., 10 Rbl., 50 Rbl., 100 Rbl., 500 Rbl., 1000 Rbl. (1920), 5000 Rbl. (1921)
Transkaukasische SSR Eisenbahn - „Wechselnoten“
5000 Rbl., 10 000 Rbl., 25 000 Rbl., 50 000 Rbl., 100 000 Rbl. – Alle ohne Datum (1920)
Georgische Sozialistische Sowjetrepublik 1921, 1922
5000 Rbl., 10 000 Rbl., 100 000 Rbl.-Schuldverschreibung, 500 000 Rbl.-Schuldverschreibung,
1 Mio. Rbl.-Schuldverschreibung, 5 Mio. Rbl.-Schuldverschreibung
Föderation der Sozialistischen Sowjetrepubliken Transkaukasien 1923
Ab 1923 wurde der sowjetische Rubel als Zahlungsmittel eingeführt. Diese Währung galt bis 1993, des Jahres der Unabhängigkeitserklärung Georgiens.
Am 3. August 1993 wurden die bis dahin umlaufenden Rubelnoten in georgische Rubel im Wertverhältnis 1:1 umgetauscht. Der georgische Rubel wurde auch als Kuponausgabe bezeichnet. Die von der georgischen Nationalbank emittierten Kuponnoten wurden in vier Serien herausgegeben. Sie führten die Bezeichnung „Lari“. Jede Serie (1993) hatte laufend sich steigernde Nominale. Der georgische Rubel war ab 3. August 1993 alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel.
1000 Rbl., 5000 Rbl., 10 000 Rbl., 25 000 Rb1., 50 000 Rbl., 100 000 Rbl., 250 000 Rbl., 500 000 Rbl.,
1 Mio. Rbl., 5 Mio. Rbl., 10 Mio. Rbl., 50 Mio. Rbl. (1924)
Ausgabe 1993
1. Serie: (1, 3,) 5, 10 Laris, 50, 100, 500, 1000, 5000, 10 000 Laris (ohne Abbildung)
2. Serie: 1 Lari (Abb.), 3, 5 (Abb.), 10, 50 und 100 Laris (Abb.)
3. Serie: 10 000 Laris, 25 000 (Abb.), 50 000 und 100 000 Laris
4. Serie: 250, 2000, 3000 und 20 000 Laris
Ausgabe 1994
30 000, 50 000, 100 000, 150 000, 250 000 Laris, 500 000 und 1 Million Laris (Abb.)
1995
Am 25. September 1995 wurde eine Währungsreform durchgeführt. Die neue Währung war 100 Tetri = 1 Lari. Es wurde auch wieder Münzgeld ausgegeben (1 Tetri bis 50 Tetri). Außerdem erfolgte die Emission von Gedenkmünzen. Bei der Währungsreform erfolgte eine Abwertung von 1:1 Million.
Der Wechselkurs betrug 1995 im August:
1 DM = 937 681,13 georgische Kuponrubel oder 1 US-Dollar = 1 300 000 georgische Kuponrubel.
Nach der Währungsreform 1995 entsprach ein neuer Lari = 1 DM.
Ausgabe 2. Oktober 1995
1, 2, 5 Laris (Abb.), 10, 20, 50 und 100 Laris (500 Laris)
Ausgabe 1999
Alle Werte von 1995 mit modifizierten Sicherheitsmerkmalen. (ohne Abb.)
Ausgabe 2002
1, 2, 5, 10 Laris (Abb.) und 20 Laris
Ausgabe 2004
50 Laris (Abb.) und 100 Laris
Ausgabe 16. April 2007
200 Laris (ohne Abb.)
Weitere Abbildungen und Informationen
Auf der Web-Seite der Georgischen Nationalbank können Sie sich ausführlich über die aktuellen Georgischen Geldscheine informieren (auch auf Englisch).
National Bank of Georgia: http://www.nbg.gov.ge